Hochwasserschutz Pfronten / Vils

Gewässer III. Ordnung, Wildbach

Anlass / Problem

Beim Pfingsthochwasser 1999 (22.05.1999) trat die Vils über die Ufer und überflutete Teile der bebauten Ortslage von Pfronten. Der beim Pfingsthochwasser 1999 entstandene Schaden ermittelt sich bei einer mittleren Schadenshöhe von
20.000,00 €/Anwesen auf insgesamt 640.000,00 €. Außerdem entstanden bei zwei Gewerbebetrieben in der Tränkbachsiedlung und in Pfronten Steinach Schäden in der Größenordnung von jeweils 50.000,00 €. Neben den Schäden an den Wohngebäuden entstanden erhebliche Schäden am Bahnkörper der Bahnlinie Pfronten - Reutte.
Der Zugverkehr war wegen der Hochwasserschäden über mehrere Tage nur eingeschränkt möglich.

Insgesamt werden durch die geplante Hochwasserschutzmaßnahme folgende Güter geschützt:

Wohnhäuser (≤2 Wohneinheiten) 54 Stück
Wohnhäuser (>2 Wohneinheiten) 9 Stück
Kleiner Gewerbebetrieb (bis 3 Arbeiter) 8 Stück
Großer Gewerbebetrieb (über 3 Arbeiter) 1 Stück
Öffentliche Einrichtungen 5 Stück
(Rathaus, Bauhof, Wertstoffhof, Feuerwehr, Altenheim)

Das gewichtete Schadenspotential ermittelt sich mit 10.546.000,00 €.

Als Bemessungsabfluss HQB für die Hochwasserschutzmaßnahme wird das HQ100 mit einem Klimaänderungszuschlag von 15 % festgelegt.
Demnach ermittelt sich der Bemessungsabfluss wie folgt:

Vils vor Einmündung Steinacher Achen
HQB = 150 m3/s x 1,15 = 172,50 m3/s

Vils nach Einmündung Steinacher Achen
HQB = 190 m3/s x 1,15 = 218,50 m3/s

Lösungskonzept

Der Hochwasserschutz von Pfronten vor Vilshochwässern kann grundsätzlich über verschiedene Maßnahmen hergestellt werden. Im Rahmen der Projektaufstellung wurden folgende Varianten des Hochwasserschutzes untersucht und mit der Gemeinde Pfronten diskutiert.

  • Hochwasserrückhaltung am Kälberlehof
  • Hochwasserrückhaltung im Bereich Scheidbach Alpe
  • Flutmuldenlösung
  • Ertüchtigung des Gewässerbettes (Gewässerausbau) Gewählte Variante

Lagepläne des Gewässerausbaus

Lageplan 2 Bild vergrössern Lageplan 2

Baumaßnahmen

Der umgesetzte Gewässerausbau erstreckt sich von Fluss-km 7,100 – 9,755 (Gesamtlänge 2,655 m). Im Wesentlichen wurde das Gewässerbett bis zu 10 m aufgeweitet.

In Teilen wurde die Gewässersohle eingetieft und die vilsbegleitenden Deiche wurden standsicher hergestellt.

Die Stoffelbrücke wurde durch einen Neubau ersetzt. Die lichte Weite des neuen Brückenbauwerkes wurde gegenüber dem Bestand von 18,50 m auf 25,00 m vergrößert.

Eisenbahnbrücke Bild vergrössern Eisenbahnbrücke

Im Bereich der Eisenbahnbrücke musste die Vilssohle um ca. 1,0 m eingetieft werden. Die Fundamentgründung der Eisenbahnbrücke ist nicht ausreichend und wurde mit Hilfe des DSV (Düsenstrahlverfahren) Verfahren standsicher gegründet. Zur Erhaltung der Wegebeziehungen wurde die Brücke über die Steinacher Ach im Einmündungsbereich zur Vils abgerissen und etwas oberstrom davon wieder hergestellt.
Vom Gewässerausbau sind Abwasserkanäle, Wasserversorgungsleitungen, Gasleitungen und Stromleitungen betroffen, die vorhabensbedingt angepasst wurden.

Vorhabensüberblick
Betreff Angaben
Bauzeit: 2007 - 2015
Bauausführung: Gewässerbau:
Wasserwirtschaftsamt Kempten mit seiner
Flussmeisterstelle Füssen

Unterfangung Bahnbrücke:
Fa. Dobler, Kaufbeuren

Neubau Stoffelbrücke:
ARGE Heer - Streicher

Umlegung der Sparten:
Hubert Schmid, Marktoberdorf
Entwurfsplanung: Wasserwirtschaftsamt Kempten
Ausführungsplanung: Beteiligte Ingenieurbüros:
Ing. Büro IWA, Kempten
Konstruktionsgruppe Bauen, Kempten
Crystal Geotechnik, Utting
Dr. Ebel Geotechnik, Bad Wurzach
Gemeinde: Pfronten, Landkreis Ostallgäu
Wildbacheinzugsgebiet
nach GewVerzV::
Flussgebietsfolge: Vils – Lech – Donau Flussgebietskennziffer nach dem Verzeichnis der Bach- und Flussgebiete in Bayern: 121.8.310. Im Wildbachverzeichnis ist die Vils unter Nr. 472 039 aufgeführt.
Gewässername: Vils
Bemessungshochwasser: Vils vor Einmündung Steinacher Achen
HQB = 150 m3/s x 1,15 = 172,50 m3/s

Vils nachr Einmündung Steinacher Achen
HQB = 190 m3/s x 1,15 = 218,50 m3/s
Träger des Vorhabens
und der Unterhaltung::
Freistaat Bayern
vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Kempten
Gesamtkosten: ca. 4,6 Mio. €
Kostenbeteiligung: 33 % Gemeinde Pfronten
17% Freistaat Bayern
50 % Europäische Union (EFRE-Programm)