Hochwasserschutz Günz

Hochwasserrückhaltebecken Eldern

Stand 27. Juli 2018

Das Hochwasserrückhaltebecken (HRB) Eldern befindet sich südlich vom Markt Ottobeuren und ist das erste Hochwasserrückhaltebecken welches im Rahmen des Projektes Hochwasserschutz Günz verwirklicht wird.

Ziel des HRB Eldern ist es schädliche Hochwasserspitzen an der Westlichen Günz abzufangen. So werden die unterliegenden Ortschaften vor einem 100-jährlichen Hochwasserereignis zuzüglich einen 15% Klimaänderungsfaktor geschützt.

Das HRB Eldern umfasst ein Erddammbauwerk, ein Durchlassbauwerk mit Grundablass und Betriebsanlass zur Abflussregulierung sowie ein Betriebsgebäude in welchem die Steuerung untergebracht wird. Als weitere Maßnahme geht die Verlegung der Staatsstraße St 2011 mit dem Bau des HRBs einher. Die Straße muss über den Hochwasserrückhaltedamm geführt werden. Zusätzlich wird die Straße um einige Meter verlegt, damit der Stauraum möglichst optimal ausgenutzt werden kann. Im Zuge der Straßenbaumaßnahmen wird der Kreuzungsbereich mit der Kreisstraße MN 31 angepasst. Des Weiteren umfassen die Baumaßnahmen die Umverlegung des Boschachbaches.

Der Boschachbach, welcher später in die Westliche Günz fließt, wird umgeleitet und ebenfalls in dem Hochwasserrückhaltebecken abgefangen. Somit steigt die Sicherheit gegen Hochwasser für den Markt Ottobeuren.

Eine weitere Schwierigkeit ist, dass sich in dem Projektgebiet eine kommunale stillgelegte Mülldeponie des Marktes Ottobeuren befindet. Diese Deponie liegt im Verantwortungsbereich des Marktes, es muss jedoch im Bauablauf mit der erschwerten Baugrundsituation umgegangen werden. Nur ein kleiner Teil des Dammbauwerkes, des Durchlassbauwerkes und der Boschachbachverlegung führt über bzw. durch einen belasteten Altdeponiekörper. Um zusätzliche Kosten aufgrund der Altlast so gering wie möglich zu halten sind umfangreiche Untersuchungen durchgeführt worden. Aufgrund der Inhomogenität sowie der mangelnden Verdichtung der Altdeponie muss diese lediglich in einem kleinen Bereich teilweise ausgehoben werden. Aufgrund dessen liegt eine große Bedeutung während der Baudurchführung bei dem Erdmassenmanagement, um zusätzlichen Kosten so gering wie möglich zu halten.

Eine weitere Schwierigkeit ergibt sich aus der Situation dass unmittelbar im südlichen Einstaubereich eine Fischzucht liegt. Dieser Betrieb musste umgebaut werden. Diese Maßnahme wurde bereits vorausseilend umgesetzt.

Funktionsweise

Die Westliche Günz fließt mit dem vollen Hochwasserabfluss in den Stauraum des HRBs. Die Funktionsweise sieht vor, dass wenn der Zufluss am Beckenstandort Eldern 26,2 m3/s übersteigt, eine Schütztafel sich langsam schließt und der Abfluss auf konstant 26,2 m3/s gedrosselt wird. Die Wassermenge, die über die 26,2 m3/s zufließt wird in dem HRB zurückgehalten bzw. zwischengespeichert. Sinkt der Zufluss wieder auf unter
26,2 m3/s wird das Becken langsam entleert, indem das Schütz sukzessive weiter öffnet.

Kommt es zu extremen Hochwasserereignissen, welche die Größe des HRB übersteigt springt eine Hochwasserentlastung an, welche dafür sorgt dass das Bauwerk nicht überströmt wird.

Die Flächen welche im Hochwasserfall planmäßig eingestaut werden, können weiterhin landwirtschaftlich bewirtschaftet werden. Kommt es durch ein Hochwasser zu Schäden oder Ernteausfällen werden diese Schäden auf diesen Flächen nach jedem Beckeneinstau entsprechend entschädigt.

Baustand Januar 2020

Die Schüttung des Hochwasserrückhaltedammes ist weitestgehend fertig gestellt. Im Frühjahr folgt eine letzte humose Erdschicht, die begrünt wird. Auf der Dammkrone wird ein befahrbarer Weg aufgebaut.

Das massive Durchlassbauwerk aus Beton, welches zur geplanten Abflussregulierung errichtet wurde, ist baulich fertig gestellt. Der Stahlwasserbau, darunter versteht man die Schütztafeln sowie die Schwimmer zur Hochwasserentlastung sind am Durchlassbauwerk bereits fertig montiert. Die Westliche Günz führt seit Ende des Jahres 2019 durch das fertig gestellte Durchlassbauwerk.

Das Betriebsgebäude auf der Dammkrone ist weitestgehend fertig gestellt, der Innenausbau wird im Frühjahr 2020 fortgesetzt.

Im Frühjahr folgt die Einrichtung der elektronischen Steuerung.

Die Staatstraße welche im Zuge der Baumaßnahmen verlegt wurde ist bereits wieder in Betrieb und für den Verkehr frei gegeben worden.

Voraussichtlich kann das Hochwasserrückhaltebecken Eldern noch in der ersten Jahreshälfte 2020 in Betrieb genommen werden.

Baugrube Durchlassbauwerk
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Baugrube Durchlassbauwerk

Fertig gestellte Staatsstraße St2011
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Fertig gestellte Staatsstraße St2011

Rekultivierungsfläche Kiesabbau
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Rekultivierungsfläche Kiesabbau

Technische Daten
Betreff Angaben
Gemeinde: Markt Ottobeuren
Gewässer: Westliche Günz
Drosselabfluss: 26,2 m3/s
Stauvolumen: rd. 1,6 Mio. m3
Dammlänge: rd. 800 m
max. Einstauhöhe: rd. 7 m
max. Dammhöhe: rd. 8,5 m
Bauzeit: Vorbereitende Baumaßnahmen:
Februar - Juni 2018

Hauptbaumaßnahme:
Juni 2018 - Dezember 2020
Vorhabensträger: Freistaat Bayern
vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Kempten
Entwurfsplanung: Lahmeyer Hydroprojekt, München
Ausführungsplanung: Ingenieurbüro Dr. Koch, Kempten
Örtliche Bauüberwachung: Betonbauwerke und Grube:
Ingenieurbüro Dr. Koch, Kempten

Erdbau:
Wasserwirtschaftsamt Kempten
Baufirmen: Erdbau und Betonbau:
Firma Max Wild, Berkheim

Baustraße:
Firma Max Wild, Berkheim

Boschachbachverlegung:
Firma Max Wild, Berkheim

Stahlwasserbau:
Firma HST
Gesamtkosten: rd. 18 Mio. €
Kostenbeteiligung: Bundesrepublik Deutschland:
rd. 9 Mio. €

Freistaat Bayern:
rd. 6,1 Mio. €

Günztalgemeinden:
rd. 2,9 Mio. €

Video - youtube - zum Günzprojekt