Hochwasserschutz Ostrach

Ein großer Schritt für den Hochwasserschutz in Sonthofen ist geschafft

Aktuelles - Stand Februar 2018

Im Februar 2018 beginnen die Arbeiten an der Brücke über die Ostrach in der
Theodor-Heuss-Straße.
Die Stadt Sonthofen hat beschlossen, dass der Brückenabbruch und -neubau im Zuge der Hochwasserschutzmaßnahme geplant und umgesetzt werden soll.
Nachdem die formalen Bedingungen dafür geschaffen wurden, hat das Wasserwirtschaftsamt Kempten im Frühsommer 2017 die Planungen begonnen.

In einem ersten Schritt wird eine provisorische Brücke errichtet, um die in der Bestandsbrücke verlegten Versorgungsleitungen temporär über den Wildbach zu führen. Erst wenn die Umverlegung erfolgt ist und das Provisorium hergestellt wurde und funktionstüchtig ist, kann in einem zweiten Schritt der eigentliche Abbruch der Bestandsbrücke aus den 1960er Jahren begonnen werden.

Die neue Brücke wird in einem dritten Schritt dann in Stahlbetonbauweise und innen liegenden Spanngliedern mit einer Spannweite von 29 m ohne Mittelpfeiler über die Ostrach gebaut. Sie wird mit einem Gehweg und einer Fahrbahn mit einem Fahrstreifen geschaffen. Zur Abflussvergrößerung wird zudem die Ostrachsohle eingetieft und der Längsträger der Brücke gegenüber der Bestandsbrücke angehoben.
Durch die Anhebung der Fahrbahn müssen auch Straßenbauarbeiten durchgeführt werden. Damit erfolgt die Anpassung an die bestehenden Straßenverhältnisse.
Die Bauarbeiten zum Brückenneubau sollen im April aufgenommen werden.

Stand 31.12.2017

Seit November 2017 führt das Wasserwirtschaftsamt Kempten zusammen mit der Flussmeisterstelle Sonthofen Gewässerausbauarbeiten durch. Die Bauarbeiten finden vom Drothwehr aus statt und reichen bis hoch zur Brücke an der Theodor-Heuss-Straße.

Die Gewässerausbauarbeiten beinhalten die Sicherung beider Ufer mit Wasserbausteinen, eine Aufweitung der Gewässersohle auf der rechten Uferseite, einen Umbau von mehreren Absturzbauwerken, die Eintiefung der Gewässersohle und den Bau eines Uferunterhaltungswegs.

Massenüberschüsse aus der Vergrößerung des Abflussprofils werden im ehemaligen Wasserschutzgebiet Binswangen zunächst zwischengelagert und im weiteren Baufortschritt wieder verwendet. Die bislang strukturlose Gewässersohle wird durch Buhnen und Störsteine abwechslungsreicher gestaltet, um so den Lebensraum aufzuwerten. Es werden sich unterschiedliche Gewässertiefen ausbilden, damit einhergehend bilden sich auch ruhigere Wasserzonen oder zeitlich beschränkt Kiesablagerungen. Seit Jahrzehnten stellten in dem Gewässerabschnitt die Abstürze in der Ostrach z. B. für die Bachforelle unpassierbare Barrieren dar. Nach dem Umbau bestehen auch hier nun keine unüberwindbaren Hindernisse für Wasserlebewesen mehr. Am linken Ufer entlang der Iselerstraße wird ein schmaler Pfad fast bis zur Ostrach hinunter führen.

Vorbereitend für die im Jahr 2018 geplanten Gewässerausbauarbeiten oberhalb der Brücke finden Rodungsarbeiten entlang der Ostrach statt. Die Eingriffe sind unvermeidlich, weil die Ufer der Ostrach, eben wie im vorhergehenden Abschnitt auch schon, überarbeitet werden müssen.

Neben den Anpassungen der Ufer wird in diesem Abschnitt die Ostrach zum Teil wieder eingetieft, Abstürze werden zurückgebaut und durch Rampen ersetzt. Zudem ist geplant, wie bereits im vorherigen Abschnitt, die Gewässerstruktur durch Buhnen und Störsteine zu verbessern.

Im Herbst/Winter 2017 wurde mit der Technischen Ausrüstung der beiden Schöpfwerke in der Ostrachstraße und Fuchsmühlstraße begonnen.

Dabei wurden in den Rohbauten Elektroleitungen verlegt, Wasserstandsmessgeräte eingebaut, die Pumpen mit den Rohrleitungen montiert und die Steueranlage installiert. Die Schöpfwerke wurden an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.

Es ist vorgesehen, das Schöpfwerk Ostrachstraße im Frühjahr 2018 in Betrieb zu nehmen. Zeitverzögert dazu, eben nach Abschluss der planmäßigen Restarbeiten am Schöpfwerk Fuchsmühlstraße, soll dieses in Betrieb genommen werden.

Bei den beiden Schöpfwerken wird im Hochwasserfall ein am Durchlasskanal angebrachtes Schütz geschlossen. So wird das Wasser der Ostrach zurück gehalten, es kann dann nicht mehr in die Mühlkanäle zurückstauen und so zu Überschwemmungen führen. Das aus der Binnenentwässerung ankommende Wasser stammt vor allem von Straßen, die Niederschläge in die Mühlkanäle einleiten. Dieses anfallende Wasser wird im Hochwasserfall mit den Schöpfwerken über die Deiche in die Ostrach gepumpt.

Im Frühjahr 2017 wurden die Bauarbeiten zum Hochwasserschutz für die Stadt Sonthofen im Bereich des Drothwehrs auf Höhe der Fuchsmühlstraße/Entschenburgweg und dem Dammweg/Iselerstraße aufgenommen.

Die Uferböschungen konnten in vielen Bereichen erhalten bleiben, weil Bauarbeiten dort nicht erforderlich waren, Gehölzpflanzen wurden deshalb nicht entfernt. Ursprünglich schmale Wege entlang der Ostrach wurden zu einem Uferbegleitweg umgebaut.
Diese dienen zukünftig der Gewässerunterhaltung und stehen im Hochwassereinsatzfall zur Verfügung.

Entlang der Wege wurden unter- und oberirdisch Spundwände eingebaut.
Die oberirdischen Spundwände dienen als Hochwasserschutzwände dem Hochwasserrückhalt. Sie wurden mit Stahlplatten verkleidet. Stahlbetonfertigteile wurden als Abdecksteine aufgesetzt.
Die Einmündung vom Binswanger Dorfbach in den Obi-Kanal, also einem der zahlreichen Mühlkanäle die durch Sonthofen verlaufen, wurde umverlegt. Er führt nun unter dem Mühlkanal und dem Dammweg hinweg bis zur Ostrach und leitet dort über eine Kaskade ein.
An der Mündung vom rechten Mühlkanal wurde in einer ersten Bauphase ein Durchlassbauwerk zur Überfahrt errichtet. Danach, in einer zweiten Ausbaustufe, wurde ein daneben angegliedertes Schöpfwerk errichtet.
Im Hochwasserfall wird ein am Durchlasskanal angebrachtes Schütz geschlossen. So wird das Wasser der Ostrach zurück gehalten, es kann dann nicht mehr in den Mühlkanal zurückstauen.
Das Schöpfwerk Fuchsmühlstraße dient im Betrieb dazu, das im Mühlkanal aus der Binnenentwässerung ankommende Wasser in die Ostrach zu pumpen. Das Binnenwasser stammt von Straßen und Plätzen, die Niederschläge in den Mühlkanal einleiten.
Ende 2018 konnten die Hauptbauarbeiten abgeschlossen werden. Der Einbau der Technischen Ausrüstung erfolgte gleich nach Fertigstellung vom Schöpfwerkrohbau.
Am Schöpfwerk Fuchsmühlstraße wurde das notwendige Bauziel erreicht. Es handelt sich um ein Zwischenstadium in der Herstellung, denn dort wird im Überlastfall eine Lücke in der Innendichtung freigegraben, um das Wasser aus dem Mühlkanal im Überlastfall schadlos in die Ostrach ableiten zu können. Erst dann, wenn der Hochwasserschutz am Schwarzensteinwehr fertig gestellt worden ist, kann die endgültige Fertigstellung vom Schöpfwerk erfolgen.

Stand 17.12.2015

Der längste zusammenhängende Abschnitt entlang der Grüntenkaserne und der Ostrachstraße kann nun die Wassermengen eines 100-jährlichen Hochwassers durch Sonthofen hindurchleiten.

In diesem Abschnitt wurde die Ostrach um ein Drittel der Gewässerbreite aufgeweitet und ökologisch stark verbessert. Der Deich entlang des Kasernengeländes wurde völlig neu aufgebaut und in den meisten Bereichen mit einer Spundwand als Erosionssperre versehen. In den Bereichen, in welchen der Deich weniger als einen Meter über dem hinterliegenden Gelände hoch ist, wurden zur Verhinderung von Oberflächenerosion Verstärkungen eingebaut. Im Gewässerbett wurden die Abstürze in Beckenrampen umgebaut, um v. a. für Fische eine Durchwanderung zu ermöglichen. Buhnen, Störsteine und Totholz schaffen eine deutlich bessere Gewässerstruktur. Eine breite Berme in der Deichböschung unterbricht die gerade Linienführung der Ostrach und schafft einen abwechslungsreichen innerstädtischen Erholungsraum, welcher vor dem Umbau nicht einmal zugänglich war.

Neu ausgebauter Bereich oberstrom der Berghofer Brücke Bild vergrössern Neu ausgebauter Bereich oberstrom der Berghofer Brücke

Gegenüberliegend, entlang der Ostrachstraße wurde bis zuletzt eine Spundwand als Erosionssperre in den Deich eingebracht. Die Erdarbeiten an diesem Deich werden, sobald die Witterung es zulässt, im neuen Jahr 2016 fertiggestellt. Die Gesamtkosten für diesen knapp 1,2 km langen Abschnitt belaufen sich auf ca. sechs Mio. Euro.

Stand - Mai 2015

Die Arbeiten für die Verbesserung des Hochwasserschutzes der Ostrach in Sonthofen schreiten zügig voran. Bereits in den Wintermonaten konnte die Leitbuhne entlang der Rampe oberstrom der Burgberger Brücke fertiggestellt werden. Gegenüberliegend wurde eine Hochwasserschutzmauer aus Beton gebaut. Um den Anwohnern hinter der Mauer einen besseren Blick auf die Ostrach zu ermöglichen, wurden in einigen Mauerbereichen Glaselemente in die oberen Mauerbereiche eingesetzt. Diese sind aus Panzerglas gefertigt um dem Anprall von Treibgut standhalten zu können. Weiter flussaufwärts, im Bereich des REWE-Marktes, wurde ein Schöpfwerk errichtet. Das Schöpfwerk pumpt bei Hochwasser den Zufluss aus dem Mühlkanal und dem angrenzenden Stadtbereich in die Ostrach.

Rampe mit Leitbuhne und Hochwasserschutzmauer Bild vergrössern Rampe mit Leitbuhne und Hochwasserschutzmauer

Derzeit laufen die Arbeiten im Gewässerbett mit Hochdruck. Im Bereich der Grünten-
kaserne wird die Ostrach verbreitert und eingetieft. Dadurch steigt das Abflussvermögen der Ostrach für ein Hochwasser deutlich. In Zeiten mit normaler Wasserführung können sich Kiesbänke bilden und es kann sich eine vielfältige Gewässerstruktur in der Ostrach einstellen. Die Südseite des Deichs wird mit einer Berme und einem Kronenweg ausgebildet, sodass sich ebenso eine gesteigerte Attraktivität dieses Bereichs entlang des Flusses ergeben wird.

Gewässeraufweitung entlang Grüntenkaserne Bild vergrössern Gewässeraufweitung entlang Grüntenkaserne

Die bestehenden Abstürze werden in durchgängige Rampen umgebaut, damit sie für wandernden Fische kein Hindernis mehr darstellen. Die Sicherungsmaßnahmen an der Berghoferbrücke konnten bereits in den Frühjahrsmonaten abgeschlossen werden. Die Arbeiten im Gewässerbett und entlang der Grüntenkaserne sollen im Oktober beendet sein. Gegenüberliegend, entlang der Ostrachstraße, sollen die Arbeiten an den Deichen in den Wintermonaten durchgeführt werden.

Anlass und Vorgeschichte

Die Ostrach ist ein typischer Wildbach mit einem subalpinen Einzugsgebiet, stark schwankenden Abfluss und ausgeprägter Geschiebeführung. Übersetzt bedeutet die "Oster-Aa" nicht ohne Grund in etwa "wilder Bach".

Die Fließstrecke der Ostrach im Projektbereich der Stadt Sonthofen war bis zu Beginn des vorigen Jahrhunderts eine typische Umlagerungsstrecke. Hier wurde das mitgeführte Geschiebe abgelagert und bei entsprechenden Hochwasserereignissen wieder umgelagert. Das Flussbett der Ostrach wies mit den ausgedehnten Kiesbänken und verzweigten Flussarmen in seinem ursprünglichen Zustand eine Breite von 200 bis 400 m auf (siehe Abbildung).

Vor rund hundert Jahren wurde in die Ostrach immer stärker korrigiert, das Abflussbett eingeengt, begradigt und dadurch auch das Fließgefälle deutlich erhöht. Dadurch wurde die Ostrach schneller und entwickelte bei Hochwasser deutlich höhere Wasserstände. Zur Bändigung des Hochwasserabflusses wurden beidseitig uferbegleitende Deiche errichtet. Außerdem mussten in regelmäßigem Abstand Abstürze zur Sohlsicherung errichtet werden. Zusätzlich wurden die Ufer und in Teilen auch die Sohle massiv gegen Erosion gesichert. Die durch die Begradigung und Einengung gewonnenen Flächen wurden zunächst zur landwirtschaftlichen Nutzung herangezogen und später sukzessive mit Siedlungen belegt.

Ostrach heute mit einer Breite von ca. 30 m - Quelle: WWA Kempten, 2008 Bild vergrössern Ostrach heute mit einer Breite von ca. 30 m
Quelle: WWA Kempten, 2008

Beim Hochwasser 1999 mit einem Abfluss von ca. 300 m3/s kam es zu Überschwemmungen im Stadtbereich von Sonthofen und im Ortsteil Ortwang mit Schäden von ca. 9 Mio. Euro. Das Gerinne konnte damals nur ca. 165 m3/s abführen. Deiche und Schutzeinrichtungen waren nicht den Beanspruchungen der Ostrach bei großen Hochwasserereignissen gewachsen.

Konzeption

Um Sonthofen und Ortwang künftig vor einem statistisch einhundert jährlichen Hochwasserereignis zu schützen, wurden folgende Maßnahmen geplant und kommen derzeit zur Umsetzung.

  • Aufweitungen des Gewässerbetts, nach den maximalen örtlichen Gegebenheiten und hydraulisch sowie flussmorphologisch Möglichkeiten
  • Umbau von Absturzbauwerken zu Sohlrampen zur ökologischen Aufwertung und hydraulischen Optimierung
  • Eintiefung der Gewässersohle (Absenkung der Querbauwerke) in Teilstrecken zur Vergrößerung des Abflussquerschnitts
  • Deichneubau, Deichsanierungen und Deichrückverlegungen
  • Neubau, bzw. Anpassung von Hochwasserschutzmauern
  • Schaffung von Zugänglichkeiten und Befahrbarkeiten der Deichbauwerke sowie Ufer für Gewässerunterhalt und Deichverteidigung
  • Herstellung von Anlagen zur Verminderung von Hochwasserrückstaugefahren an den Aus- und Einleitungen der Mühlkanäle mit Verschlussbauwerken und Schöpfwerken
  • Neubau der Theodor-Heuss-Brücke ohne Brückenpfeiler im Abflussquerschnitt
  • Sicherung der Fundamente der Brücken wegen der Sohleintiefungen
  • Anpassung der Spartenquerungen im Zuge der Gewässerverbreiterung und -eintiefung

Die aufgeführten Maßnahmen sind in den folgenden Lageplänen schematisch beschrieben (WWA Kempten, 2008)

Lageplan 2 - Quelle: WWA Kempten, 2008 Bild vergrössern Lageplan 2 - Quelle: WWA Kempten, 2008

Vorhabensüberblick
Betreff Angaben
Gemeinde: Stadt Sonthofen und Burgberg, Landkreis Oberallgäu
Gewässer: Ostrach, Wildbach
Ausbaubereich: Flusskilometer 0+000 bis 4+300
Ausbauabfluss unterstrom Starzlachmündung: 338 m3/s (HQ100 + 15 % Klimazuschlag)
Gesamtkosten: ca. 26,2 Mio. €
Bauzeit: Oktober 2011 bis voraussichtlich 2018
Vorhabensträger: Freistaat Bayern
vertreten durch das Wasserwirtschaftsamt Kempten
Finanzierung: 70 % Freistaat Bayern mit EU-Kofinanzierung
31 % Stadt Sonthofen (je Bauabschnitt)
30 % Gemeinde Burgberg (je Bauabschnitt)
Allg. Projektdurchführung: Wasserwirtschaftsamt Kempten