Hochwasserschutz in Bad Hindelang / Ortsteil Vorderhindelang

Gewässerausbau am Vorderhindelanger Dorfbach

Projekt-Info

Bemessungsabfluss HQ100 WB + Klimazuschlag: 14,0 m3/s
Geschiebeaufkommen am Kegelhals bei einem 100-jährlichen Murgang: 10.700 m3/s
Bauzeit: 2022 - 2023
Baukosten: ca. 3,5 Mio. € brutto
Kostenbeteiligung: 70 % Freistaat Bayern, 30 % Markt Bad Hindelang (zusätzlich Grunderwerb)
Planung: Ingenieurgemeinschaft INROS Lackner SE (München) - IB Kokai GmbH (Weilheim i. OB.), WWA Kempten
Aktueller Stand: Planfeststellungsverfahren ab April 2021

Anlass des Vorhabens

In einer vom Wasserwirtschaftsamt Kempten 2012 in Auftrag gegebenen Studie zur Überprüfung der Schutzkonzepte an den Wildbächen Hirschbach, Zillenbach sowie Vorderhindelanger Dorfbach im Gemeindegebiet von Bad Hindelang zeigte sich Handlungsbedarf am Zillenbach sowie am Vorderhindelanger Dorfbach. Am Zillenbach wurde in einem ersten Schritt 2014 eine Murfangsperre baulich fertiggestellt, um den Siedlungsbereich von Hindelang vor künftigen Murgefahren zu schützen.

Eine ähnliche Aufgabe, wenn auch eine Nummer kleiner, steht nun zum Schutz von Vorder-hindelang vor Murereignissen am Ausgang des Schachentobels an. Im Sommer 2019 wurde dazu vom Wasserwirtschaftsamt ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt. Zunächst wurde überprüft, welche Maßnahmen konkret zum Schutz des Siedlungsbereichs zu ergreifen sind. Dabei zeigte sich anhand einer hydraulischen 2D-Modellierung des Baches, dass das bestehende Bachgerinne die Wassermassen bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis in die Ostrach abführen kann. Als unzureichend zeigte sich jedoch der Schutz vor einem hundertjährlichen Murereignis. Um entsprechend große Murstöße aufzuhalten und das dabei mittransportierte Material zurückzuhalten ist die am oberen Rand der Siedlung gelegene Geschiebesperre nicht ausreichend.

In 2020 wird die Planung der Maßnahmen fortgeführt (u.a. Statik) und vervollständigt. Parallel dazu finden im Sommerhalbjahr naturschutzfachliche Kartierungen statt, um neben den Pflanzen auch betroffene Tierarten zu erheben, welche durch die geplanten Baumaßnahmen beeinträchtigt werden und beim Bau bestmöglich geschützt werden sollen. Danach soll im Winter 2020/21 die Planfeststellung beantragt werden und bis Mitte 2021 das Baurecht für die Murschutzmaßnahmen erwirkt werden. Nach anschließender Ausführungsplanung und Ausschreibung der Bauleistungen rechnet das Wasserwirtschaftsamt derzeit mit der Bauausführung im Jahr 2022. Die Bauzeit wird zeitlich begrenzt Verkehrsbeeinträchtigungen und Baulärm mit sich bringen, da die Zufahrt zur Baustelle durch den Ort Vorderhindelang erfolgt.

Zum Schutz der Ortschaft Vorderhindelang plant das Wasserwirtschaftsamt Kempten ein Rückhaltesystem für Muren, mit welchen bei Hochwasser aus dem Schachentobel zu rechnen ist. Die mit der Planung beauftragte Ingenieurgemeinschaft zeigte mittels hydraulischer Modellierung, dass der ausgebaute Bachlauf im Ort ein hundertjährliches Hochwasserereignis (ohne Murgang) abführen kann. Allerdings verfügt die bestehende Geschiebesperre weder über eine ausreichende Standsicherheit noch über ein ausreichendes Rückhaltevolumen um ein hundertjährliches Ereignis mit Murgang zurückzuhalten. Folglich ist bei einem entsprechenden Ereignis mit Übermurung des Siedlungsbereichs Vorderhindelang zu rechnen, auch ein schlagartiges Versagen der bestehenden Sperre kann nicht ausgeschlossen werden.

Daher wurde eine Lösung gesucht, um den Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis mit Murgang herzustellen. Die gewählte Vorzugsvariante zur Herstellung eines ausreichenden Schutzes für Vorderhindelang sieht das Stoppen und vollständige Rückhalten des Murereignisses oberhalb des Siedlungsbereiches durch einen Sperrenneubau vor. Geplant sind der Neubau einer Vorsperre, der Neubau einer Geschiebedosiersperre (Murfangsperre) sowie der Rückbau im entsprechenden Bereich liegender Konsolidierungssperren. Zudem soll die bestehende Geschiebesperre am oberen Ortsrand konstruktiv so umgebaut werden, dass sie für die zu erwartenden Belastungen standsicher ist und noch einen weiteren Schutzgrad erfüllt. Diese neuen Schutzbauwerke dienen auch dazu die bereits in großen Teilen zerstörten, alten Wildbachsperren im Oberlauf kompensieren zu können. Durch die gewählte Lösung werden diese Bauwerke nicht nur kompensiert, sondern der Schutzgrad sowie die Schutzwirkung entscheidend erhöht.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren zur rechtlichen Genehmigung der Planung. Sobald ein positiver Bescheid vorliegt, erfolgt noch in 2021 die Ausführungsplanung sowie die Ausschreibung der Baumaßnahmen. Der Beginn der Baumaßnahmen ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen. Das Wasserwirtschaftsamt wird zu gegebener Zeit an selber Stelle zum aktuellen Stand informieren.

Lageplan Nord - Sperrenneubau Bild vergrössern Lageplan Nord - Sperrenneubau

Lageplan Süd - Sperrenumbau Bild vergrössern Lageplan Süd - Sperrenumbau