Hochwasserschutz in Bad Hindelang / Ortsteil Vorderhindelang

Gewässerausbau am Vorderhindelanger Dorfbach

Projekt-Info

Bemessungsabfluss HQ100 WB + Klimazuschlag: 14,0 m3/s
Geschiebeaufkommen am Kegelhals bei einem 100-jährlichen Murgang: 10.700 m3
Bauzeit: 2022 - 2023
Baukosten: ca. 4,5 Mio. € brutto
Kostenbeteiligung: 80 % Freistaat Bayern, 20 % Markt Bad Hindelang (zusätzlich Grunderwerb)
Planung: Ingenieurgemeinschaft INROS Lackner SE (München) - IB Kokai GmbH (Weilheim i. OB.), WWA Kempten
Bau: Fa. Josef Hebel GmbH & Co. KG Memmingen,
(Erdarbeiten: Wechs GmbH & Co. KG Bad Hindelang)
Aktueller Stand: Baugrubenaushub, Betonage, Geschiebedosiersperre

Stand Ende Juli 2022:

Aus der ehemalige Waldfläche ist nun eine große Baustelle geworden. Durch die Fa. Wechs wurde im März das Baufeld mit Baustraßen, Lagerflächen, Kranstellplatz sowie Wasserhaltung angelegt und die bestehenden Wildbachsperren, die den neuen Schutzbauwerken weichen müssen, abgebrochen. Des Weiteren wurde die Baugrube für die Geschiebedosiersperre (untere Sperre) ausgehoben und das Material größtenteils vor Ort in den neuen Erddamm eingebaut. Aufgrund des steilen Geländes sowie des unerwartet schlechten Baugrundes wurden zusätzliche Hangsicherungen erforderlich.

Seit Ende Mai werden durch die Fa. Josef Hebel die ersten Bauteile der Geschiebedosiersperre betoniert, sodass nun die enormen Dimensionen der Murfangsperre ersichtlich werden. Neben diesen Arbeiten erfolgen aktuell die Aushubarbeiten an der Konsolidierungssperre (obere Sperre), sodass hier ab Ende Juli die Betonierarbeiten ausgeführt werden können. Parallel dazu wird das Gelände entsprechend modelliert. Trotz leichter Startschwierigkeiten soll die gesamte Baumaßnahme bis auf Restarbeiten dieses Jahr fertiggestellt werden, sofern die Witterung weiterhin mitspielt. Die Umbauarbeiten an der bestehenden Geschiebesperre erfolgen im Spätsommer.

Wir bitten weiterhin um besondere Vorsicht im Bereich der Baustellenein- und -ausfahrt, insbesondere beim Mountainbiken. Die Baustelle darf nicht von Unbefugten betreten werden. Bitte geben Sie diesen Hinweis auch an nicht ortskundige Gäste weiter.

Baufeld nach Rodung, September 2021 Bild vergrössern Baufeld nach Rodung, September 2021

Baugrube Geschiebedosiersperre nahezu fertiggestellt, Bodenaustausch an den Flügeln, Mai 2022 Bild vergrössern Baugrube Geschiebedosiersperre nahezu fertiggestellt, Bodenaustausch an den Flügeln, Mai 2022

Stand Mai 2022:

Bereits seit März wird auf dem Baufeld fleißig umgegraben. Hierbei zeigte sich, dass sich der Untergrund - trotz vorheriger Baugrunderkundung - schwieriger darstellt als erwartet. Einzelne Stellen sind durch Hangschichtenwasser durchfeuchtet und nicht tragfähig genug. Erdaushub aus diesen Bereichen kann deshalb nicht zum Wiedereinbau verwendet werden und muss abgefahren werden. An anderer Stelle ist der anstehende Fels (Flyschgestein) brüchig und es besteht die Steinschlaggefahr. Aufgrund dessen wird die Baugrubenböschung flacher ausgebildet und steilere Bereiche mit einem Steinschlagschutznetz gesichert. Bisher konnten somit immer kurzfristige und pragmatische Lösungen gefunden werden, sodass eine Fertigstellung der Gesamtbaumaßnahmen dieses Jahr nach aktuellem Stand weiterhin eingehalten werden kann.

Die Baugrube der Geschiebedosiersperre ist bereits ausgehoben. Zur Verbesserung des Untergrunds hinsichtlich der Standfestigkeit für das zu errichtende Betonbauwerk wurden bereits im Zuge von Bodenaustauch Magerbetonschichtlagen eingebracht. Aktuell wird der Bereich des Tosbeckens unterhalb der Geschiebedosiersperre abgegraben und der Leitdamm aufgeschüttet. Die Bewehrung der Fundamente wird Anfang Mai erstellt, so dass Mitte Mai die ersten Fundamente betoniert werden können.

23.03.2022: Baustellenvorbereitung, Oberbodenabtrag, Baustelleneinrichtung, provisorische Verlegung des Bachs zur Wasserhaltung Bild vergrössern 23.03.2022: Baustellenvorbereitung, Oberbodenabtrag, Baustelleneinrichtung, provisorische Verlegung des Bachs zur Wasserhaltung

27.04.2022: Ausheben Baugrube Geschiebedosiersperre und Tosbecken, Einbringen Magerbeton, Hangabsicherung, Schüttung Leitdamm Bild vergrössern 27.04.2022: Ausheben Baugrube Geschiebedosiersperre und Tosbecken, Einbringen Magerbeton, Hangabsicherung, Schüttung Leitdamm

Februar 2022:

Noch liegt ein bisschen Schnee auf dem bereits gerodeten Baufeld. Ab Mitte März wird die Baufirma Fa. Josef Hebel GmbH & Co. KG, Memmingen ihre neue Baustelle einrichten.

Nach dem Oberbodenabtrag sowie der Herstellung der Wasserfassung wird der Boden im Bereich der unteren Sperre (Geschiebedosiersperre) abgegraben. Nach Erstellung der Betonbauwerke werden die Baugruben wieder zeitnah angefüllt. Im Juni soll bereits die untere Sperre fertiggestellt sein.

Anschließend erfolgt der Bau der oberen Sperre (Konsolidierungssperre), welche bis Ende September fertiggestellt werden soll. Daran anschließend erfolgen noch die Erdarbeiten im Rückhaltebecken sowie die Geländemodellierungen. Zudem werden dann die Arbeiten an der bestehenden Geschiebesperre ausgeführt.

Die Gesamtmaßnahme soll - gutes, d.h. trockenes Bauwetter in diesem Jahr vorausgesetzt - bis Anfang Dezember abgeschlossen werden.

Der Andienungsverkehr zur Baustelle erfolgt durch den Ort. Um hier möglichst wenig Störungen zu erzeugen, erfolgt eine Funkabstimmung zwischen den Betonmischern bzw. LKWs. Weiter wird es unter der Woche eine Einbahnregelung geben. Wir bitten die Unannehmlichkeiten zu entschuldigen.

Weiter bitten wir Sie um besondere Vorsicht im Bereich der Baustellenein- und -ausfahrt, insbesondere beim Mountainbiken. Die Baustelle darf nicht von Unbefugten betreten werden. Bitte geben Sie diesen Hinweis auch an nicht ortskundige Gäste weiter. Die Bereiche werden natürlich entsprechend beschildert.

Das Wasserwirtschaftsamt wird zu gegebener Zeit an selber Stelle zum aktuellen Stand informieren.

3D-Ansichten der Geschiebesperre Bild vergrössern 3D-Ansichten der Geschiebesperre

Rodungsarbeiten Bild vergrössern Rodungsarbeiten

3D-Modell der Konsolidierungssperre Bild vergrössern 3D-Modell der Konsolidierungssperre

Stand September 2021:

Das Verfahren zur wasserrechtlichen Genehmigung der Planung wurde erfolgreich abgeschlossen. Es wurden keine Einwendungen vorgetragen. Die Ausführungsplanung sowie die Ausschreibung der Baumaßnahme sind aktuell in Bearbeitung.

Im August wurde mit naturschutzfachlichen Ausgleichsmaßnahmen begonnen, u.a. wurden
ca. 100 Alpensalamander abgesammelt und umgesiedelt. Mit den Rodungsarbeiten konnte Ende August begonnen werden. Innerhalb von drei Wochen wurde das Baufeld durch die Flussmeisterstelle Sonthofen freigestellt. Anschließend wurden Wurzelstöcke aus den flacheren Bereichen im Baufeld entfernt und abtransportiert. Um eine ausreichende Sicherung der Hangbereiche über den Winter zu erhalten, verbleiben einzelne Wurzelstöcke vorerst im Baufeld.

Im Frühjahr 2022 sollen die Baumaßnahmen beginnen. Im Vorfeld erfolgt eine Zustandsfeststellung von einzelnen Gebäude sowie von zwei Brücken durch die Konstruktionsgruppe Bauen AG.

Anlass des Vorhabens

In einer vom Wasserwirtschaftsamt Kempten 2012 in Auftrag gegebenen Studie zur Überprüfung der Schutzkonzepte an den Wildbächen Hirschbach, Zillenbach sowie Vorderhindelanger Dorfbach im Gemeindegebiet von Bad Hindelang zeigte sich Handlungsbedarf am Zillenbach sowie am Vorderhindelanger Dorfbach. Am Zillenbach wurde in einem ersten Schritt 2014 eine Murfangsperre baulich fertiggestellt, um den Siedlungsbereich von Hindelang vor künftigen Murgefahren zu schützen.

Eine ähnliche Aufgabe, wenn auch eine Nummer kleiner, steht nun zum Schutz von Vorder-hindelang vor Murereignissen am Ausgang des Schachentobels an. Im Sommer 2019 wurde dazu vom Wasserwirtschaftsamt ein Ingenieurbüro mit der Planung beauftragt. Zunächst wurde überprüft, welche Maßnahmen konkret zum Schutz des Siedlungsbereichs zu ergreifen sind. Dabei zeigte sich anhand einer hydraulischen 2D-Modellierung des Baches, dass das bestehende Bachgerinne die Wassermassen bei einem hundertjährlichen Hochwasserereignis in die Ostrach abführen kann. Als unzureichend zeigte sich jedoch der Schutz vor einem hundertjährlichen Murereignis. Um entsprechend große Murstöße aufzuhalten und das dabei mittransportierte Material zurückzuhalten ist die am oberen Rand der Siedlung gelegene Geschiebesperre nicht ausreichend.

In 2020 wird die Planung der Maßnahmen fortgeführt (u.a. Statik) und vervollständigt. Parallel dazu finden im Sommerhalbjahr naturschutzfachliche Kartierungen statt, um neben den Pflanzen auch betroffene Tierarten zu erheben, welche durch die geplanten Baumaßnahmen beeinträchtigt werden und beim Bau bestmöglich geschützt werden sollen. Danach soll im Winter 2020/21 die Planfeststellung beantragt werden und bis Mitte 2021 das Baurecht für die Murschutzmaßnahmen erwirkt werden. Nach anschließender Ausführungsplanung und Ausschreibung der Bauleistungen rechnet das Wasserwirtschaftsamt derzeit mit der Bauausführung im Jahr 2022. Die Bauzeit wird zeitlich begrenzt Verkehrsbeeinträchtigungen und Baulärm mit sich bringen, da die Zufahrt zur Baustelle durch den Ort Vorderhindelang erfolgt.

Zum Schutz der Ortschaft Vorderhindelang plant das Wasserwirtschaftsamt Kempten ein Rückhaltesystem für Muren, mit welchen bei Hochwasser aus dem Schachentobel zu rechnen ist. Die mit der Planung beauftragte Ingenieurgemeinschaft zeigte mittels hydraulischer Modellierung, dass der ausgebaute Bachlauf im Ort ein hundertjährliches Hochwasserereignis (ohne Murgang) abführen kann. Allerdings verfügt die bestehende Geschiebesperre weder über eine ausreichende Standsicherheit noch über ein ausreichendes Rückhaltevolumen um ein hundertjährliches Ereignis mit Murgang zurückzuhalten. Folglich ist bei einem entsprechenden Ereignis mit Übermurung des Siedlungsbereichs Vorderhindelang zu rechnen, auch ein schlagartiges Versagen der bestehenden Sperre kann nicht ausgeschlossen werden.

Daher wurde eine Lösung gesucht, um den Schutz vor einem hundertjährlichen Hochwasserereignis mit Murgang herzustellen. Die gewählte Vorzugsvariante zur Herstellung eines ausreichenden Schutzes für Vorderhindelang sieht das Stoppen und vollständige Rückhalten des Murereignisses oberhalb des Siedlungsbereiches durch einen Sperrenneubau vor. Geplant sind der Neubau einer Vorsperre, der Neubau einer Geschiebedosiersperre (Murfangsperre) sowie der Rückbau im entsprechenden Bereich liegender Konsolidierungssperren. Zudem soll die bestehende Geschiebesperre am oberen Ortsrand konstruktiv so umgebaut werden, dass sie für die zu erwartenden Belastungen standsicher ist und noch einen weiteren Schutzgrad erfüllt. Diese neuen Schutzbauwerke dienen auch dazu die bereits in großen Teilen zerstörten, alten Wildbachsperren im Oberlauf kompensieren zu können. Durch die gewählte Lösung werden diese Bauwerke nicht nur kompensiert, sondern der Schutzgrad sowie die Schutzwirkung entscheidend erhöht.

Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren zur rechtlichen Genehmigung der Planung. Sobald ein positiver Bescheid vorliegt, erfolgt noch in 2021 die Ausführungsplanung sowie die Ausschreibung der Baumaßnahmen. Der Beginn der Baumaßnahmen ist für das Frühjahr 2022 vorgesehen.

Lageplan Nord - Sperrenneubau Bild vergrössern Lageplan Nord - Sperrenneubau

Lageplan Süd - Sperrenumbau Bild vergrössern Lageplan Süd - Sperrenumbau