Verbot der Betretung von Eisflächen
Das Wasserwirtschaftsamt Kempten warnt ausdrücklich davor, die staatlichen Wasserspeicher Rottachsee und Grüntensee bei Eisbildung zu betreten.
Im Gegensatz zu natürlichen Seen haben Talsperren eine stetig schwankende Wasserabgabe. Verschiedene Steuerungsanforderungen (Betrieb, Naturschutz, Hochwasser) können es nötig machen, dass die Wasserabgabe größer als der Zufluss in den See ist. Folglich können sich zwischen dem Eis und dem Wasser Hohlräume bilden, welche die Gefahr erhöhen, in das Eis einzubrechen. Das Betreten ist lebensgefährlich und daher durch die Gemeinden per Satzung untersagt
Der Grüntensee
Der Grüntensee erfreut sich als Badesee zwar großer Beliebtheit bei Einheimischen wie Touristen, ist jedoch in seiner Hauptfunktion ein Wasserspeicher.
Vorgeschichte
Nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe von 1954 setzte die Oberste Baubehörde ein Jahr später die Denkschrift „Hochwasserschutzmaßnahmen in Südbayern“ auf, in welcher der Grüntensee erstmals erwähnt wird. Damals waren noch zwei weitere Hochwasserrückhaltebecken flussabwärts geplant, die allerdings nicht umgesetzt wurden.
Mit der Fertigstellung und Inbetriebnahme des damals noch als „Haslachspeicher“ bezeichneten Grüntensees im Jahr 1961 kamen neben den Hauptfunktionen Hochwasserschutz und Niedrigwasseraufhöhung, die Wasserkraftnutzung und - wie bei fast allen Speichern - als weitere Funktionen Fremdenverkehr, Freizeit und Erholung sowie ökologische und fischereiliche Nutzungsansprüche dazu.
Die Funktion der Niedrigwasseraufhöhung wurde 1974 wieder deutlich eingeschränkt, da das Trockenfallen der Uferbereiche und die daraus resultierende starke Geruchsbelästigung zu einer Beeinträchtigung für Naturschutz und Tourismus führte. Das Niedrigwasserstauziel wurde damals um 5 Meter angehoben.
Zweck der Talsperre
Der Grüntensee dient dem Hochwasserschutz an der Wertach und verfügt bei Normalstau über ein Volumen von ca. 5 Mio. m³. Im See können im Hochwasserfall nochmals zusätzlich ca. 10 Mio. m³ Wasser zurückgehalten werden, was einem Anstieg des Wasserstandes um 6 Meter entspricht.
Zusätzlich gibt es am Grüntensee ein Kraftwerk, welches vom Allgäuer Überlandwerk betrieben wird. Hier haben zwei installierte Kaplanturbinen eine Ausbauleistung von 1.168 kW. Das AÜW steuert nach eigenem Ermessen in einer Bewirtschaftungslamelle von 875,50 m ü. NN bis 876,50 m ü. NN. Muss der darüber liegende Hochwasserschutzraum in Anspruch genommen werden erfolgt die Steuerung in Absprache zwischen dem Wasserwirtschaftsamt und dem AÜW.
Ökologie und Landschaftspflege
Der Grüntensee verfügt über ein eigenes Landschaftsschutzgebiet, außerdem befinden sich im Uferbereich des Grüntensees wertvolle Hochmoorlandschaften, die seit 2022 wieder renaturiert werden. Fast das gesamte Ufer des Grüntensees ist darüber hinaus als Biotop kartiert.
